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01.11.2025 | Work

Kollege KI schreibt mit: Wie künstlich darf eine Bewerbung sein?

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Anschreiben formulieren, Lebensläufe glätten, Stellenanzeigen optimieren: KI hilft inzwischen auf beiden Seiten des Bewerbungsprozesses. Doch wo alles perfekt klingt, wird Persönlichkeit plötzlich zur Mangelware.

Wenn Algorithmen einander beeindrucken

Die Stellenanzeige verspricht ein dynamisches Umfeld, Gestaltungsspielraum und flache Hierarchien. Das Anschreiben antwortet mit Begeisterung, Teamgeist und passgenauer Motivation. Beide Texte sind fehlerfrei, höflich – und möglicherweise von derselben künstlichen Intelligenz formuliert. Willkommen im modernen Bewerbungsprozess.

Laut einer Stepstone-Studie vom 26. November 2025 nutzten 59 Prozent der Befragten KI-Tools als erste Anlaufstelle für Formulierungshilfen bei Lebenslauf und Bewerbung. Das spart Zeit und kann helfen, Gedanken zu sortieren. Gleichzeitig befürchteten 31 Prozent, dass KI-generierte Unterlagen ihre persönliche Note verlieren.

„KI kann einen guten Text strukturieren und sprachlich verbessern. Sie sollte aber keine Persönlichkeit erfinden, die im Vorstellungsgespräch plötzlich nicht mehr auftaucht", sagt Koreso-Gründer Oliver Kocherscheidt. „Eine Bewerbung muss nicht literaturpreisverdächtig sein. Sie sollte vor allem ehrlich erkennen lassen, wer sich bewirbt und warum."

Werkzeug statt Maskenbildner

Auch Unternehmen nutzen KI im Recruiting bislang zurückhaltend. Einer Bitkom-Erhebung zufolge ließen 2025 erst ein Prozent der deutschen Unternehmen Bewerbungen automatisiert prüfen. Deutlich mehr konnten sich einen solchen Einsatz künftig vorstellen. Die Richtung ist also klar: KI wird bleiben.

Entscheidend ist deshalb nicht, ob Bewerber oder Unternehmen künstliche Intelligenz einsetzen, sondern wie. Gute Unterstützung kürzt Floskeln, schafft Übersicht und schärft Aussagen. Schlechte Unterstützung produziert austauschbare Hochglanztexte, in denen Menschen und Arbeitsplätze kaum noch wiederzuerkennen sind.

„Am Ende stellen Unternehmen keine Anschreiben ein, sondern Menschen", betont Kocherscheidt. „Ob jemand fachlich und menschlich passt, zeigt sich im echten Austausch – durch konkrete Fragen, ehrliche Antworten und gelegentlich auch durch eine kleine Denkpause. In einer Zeit, in der KI im Bewerbungsprozess immer selbstverständlicher wird, feilen wir deshalb an Ideen, die den menschlichen Faktor wieder stärker hervorkitzeln und Persönlichkeit früher sicht- und hörbar machen."

Die Zahlen stammen aus der Stepstone-Studie zu KI bei der Jobsuche und der Bitkom-Erhebung zum digitalen Recruiting.

©Foto: iStock_2192875965/Daniel Balakov

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