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10.05.2021 | Koreso

Sabbatical: Warum ein bewusster Break manchmal der beste Weg nach vorn ist

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Manchmal ist der beste Weg nach vorn: Anhalten. Der Gründer von Koreso, Oliver, hat genau das getan – und mit seiner Familie eine Reise entlang der Panamericana unternommen. Im Gespräch erzählt er, warum Abstand oft der Schlüssel zu neuer Klarheit ist – und wie sein Sabbatical nicht nur sein Leben, sondern auch die Arbeit bei Koreso verändert hat.

Oliver, wann kam für Dich der Punkt, an dem klar war: Es muss sich etwas ändern?
Das war ein längerer Prozess. Meine Frau und ich standen ständig unter Strom. Sie führte in der Speicherstadt ihre eigene Boutique-Agentur für Touristik-PR, ich leitete mit der Koreso ein sehr erfolgreiches Startup für Personalvermittlung. Dazu zwei kleine Kinder, volle Verantwortung, volle Kalender – und der Anspruch, immer zu funktionieren. Viele wichtige Dinge fielen dabei hinten runter, nicht zuletzt unser Familienleben. Irgendwann war klar: So kann's nicht ewig weitergehen.

Und dann kam die Idee zum Sabbatical?
Genau. Ich hatte Koreso 2015 gegründet, wir waren ein kleines, engagiertes Team. Zwölf Leute, viele Stunden, viele Höhen und Tiefen. Auf einer Wanderung in Andalusien, dem GR7 bei Tarifa, stellten wir fest: Das war das erste Mal seit sieben Jahren, dass wir einfach nur Zeit zu zweit hatten. In vielen tiefgehenden Gesprächen entstand der Gedanke: Wir brauchen eine Auszeit – nicht nur für uns persönlich, sondern für unsere ganze Familie.

Wie wurde aus der Idee ein Plan?
Wir wollten etwas Radikales. Unsere Idee: Lass uns gemeinsam mit den Kindern reisen – von den Eisbären Alaskas bis zu den Pinguinen Feuerlands! Dafür haben wir einen alten Mercedes LA 911 zum Expeditionsmobil umgebaut. Und die Firmen so organisiert, dass sie eine Weile ohne uns laufen konnten. Uns war klar: Wir wollten nicht flüchten, sondern wirklich anhalten.

Und dann kam kurz vor der Abreise der Bruch.
Ja. Die zweite Geschäftsführung und der Prokurist stiegen aus, machten sich selbstständig, und das Team musste aufgelöst werden. Im ersten Moment war das ein Schock. Wir hatten alles vorbereitet, und plötzlich war klar: Ich muss das Geschäft auf Eis legen. Im Rückblick war es jedoch das Beste, was passieren konnte. Zum ersten Mal seit 15 Jahren musste ich mich nicht mit Recruiting, Kunden oder Prozessen beschäftigen. Der Kopf war komplett frei.

Also wurde die Reise wirklich zum Sabbatical.
Absolut. Wir sind vom Osten Kanadas bis nach Zentralamerika gereist, haben neue Kulturen erlebt, Natur pur. Besonders prägend war Guatemala, während des Lockdowns. Wir waren gezwungen, sechs Monate an einem Ort zu bleiben – und genau das war ein Geschenk. Wir haben die Menschen dort und ihre Spiritualität intensiv kennengelernt. Wenn man das erlebt, dann nimmt man sich selbst irgendwann nicht mehr so wichtig. Viele Dinge, über die wir uns hier in Europa den Kopf zerbrechen, sind tatsächlich Luxusprobleme.

Hat dich diese Zeit verändert?
Sehr. Natürlich ist mein Geschäft wichtig. Aber es hat nicht mehr die Priorität, dass es mich nachts wachhält. Ich habe gelernt, dass es auch anderes im Leben gibt als Arbeit.

Wie hat sich Koreso nach der Rückkehr verändert?
Ich wollte keine große Firma mehr aufbauen. Für mich war das Thema „höher, schneller, weiter" abgehakt. Heute führe ich eine kleine, aber sehr kompetente Beratung, die qualitativ gute Arbeit leistet – mit ausgewählten Kunden, handverlesenen Kandidaten und einem neuen Format: dem Koreso Jobcast.

Was würdest du anderen raten, die über eine Auszeit nachdenken?
Ich würde jedem ein Sabbatical empfehlen – egal ob Führungskraft oder Mitarbeiter. Es muss nicht gleich eine Weltreise sein. Schon vier bis sechs Wochen reichen, wenn man sie bewusst nutzt. Kein Strandurlaub mit Handy, sondern wirklich neue Erfahrungen. Das verändert die Sicht auf Arbeit, Familie, das eigene Leben – und gibt Kraft für alles, was danach kommt.

©Foto: Anja Kocherscheidt

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