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29.03.2017 | Lifestyle

Hand aufs Herz ‒ und NEIN auf die Zunge

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Es ist ein kleines Wort mit großer Wirkung, aber die meisten von uns tun sich schwer damit, es auszusprechen: NEIN. Wenn der Kollege zum wiederholten Male um Hilfe bei einer ungeliebten Aufgabe bittet, die Einladung zum Treffen der streitlustigen Familie auf den Tisch flattert oder ein Verkäufer uns mit allen Mitteln von seinem Produkt überzeugen will – dann scheint uns das JA viel näher als das NEIN, obwohl unser Gefühl das Gegenteil signalisiert. Dieser Gefälligkeitsfalle liegt zum einen unser Bedürfnis nach Harmonie und Wertschätzung zugrunde, zum anderen kommen wir dienstbeflissen der gewünschten Hilfsbereitschaft und dem Pflichtbewusstsein nach. Gut geht es uns damit meistens jedoch nicht. Und manchmal führt ein unterschlagenes NEIN zu unnötigen Schwierigkeiten.

Wenn das falsche JA zum Bumerang wird

Zum Beispiel dann, wenn der Recruiter mit einem attraktiven Jobangebot an einen Kandidaten herantritt und die Wechselbereitschaft abfragt. Wer hier eigentlich nicht ernsthaft interessiert ist und dennoch ein JA kommuniziert, obwohl er NEIN denkt, sorgt für unnötige Kollateralschäden. In den Bewerbungsprozess fließen wertvolle Ressourcen wie Zeit, Geld und Aufmerksamkeit – für alle Beteiligten entpuppt sich dies als reine Verschwendung, wenn kein echter Wille dahinter steht. Und was erreicht der „Schein"-Kandidat selbst damit? Vor allem verbrannte Erde – beim Recruiter ebenso wie beim Unternehmen auf Mitarbeitersuche. Ist der Kandidat später wirklich wechselwillig, darf er sich über eine gehörige Portion Skepsis und Vorsicht bei seinem Gegenüber nicht wundern. Hier droht das unüberlegte JA zur späten Retourkutsche als NEIN zu werden.

Was hilft, um nicht in die Gefälligkeitsfalle zu tappen und sich selbst zu sabotieren?
  • Bedenkzeit erbitten

Bevor ein vorschnelles JA deine Lippen verlässt, bitte lieber um Bedenkzeit. Prüfe deine Haltung zu der Anfrage kritisch. Kommst du zu dem Ergebnis, dass mehr dagegen als dafür spricht, dann trau dich, NEIN zu sagen.

  • Begründe deine Ablehnung

Zeige Verständnis für die Bedürfnisse des anderen, aber verweise auch auf deine eigenen Bedürfnisse. Wenn du dein NEIN gut begründen kannst, sorgst du dafür, dass andere deinen Schritt besser nachvollziehen und damit auch leichter akzeptieren können.

  • Standhaft bleiben

Mancher Zeitgenosse mag ein NEIN nicht ohne weiteres akzeptieren. Je hartnäckiger das Buhlen um dein JA ist, desto stärker ist deine Klarheit gefragt. Wenn dein NEIN feststeht, dann vertritt es auch – diplomatisch, aber deutlich: „Sie wollen mein NEIN wohl absolut nicht hinnehmen. Das nenne ich hartnäckig. Ich bleibe dennoch dabei: Sorry, ich verzichte."

Der Bestsellerautor Paulo Coelho bringt es auf den Punkt: Wenn du JA zum anderen sagst, pass auf, dass du nicht NEIN zu dir sagst. In diesen Sinne: Obacht vor dem schnellen JA und gelegentlich mehr Mut zum ehrlichen NEIN.

©Foto: Getty Images

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